Anja Sieber ist eine deutsche abstrakte Malerin und Künstlerin, die in Hamburg und Berlin lebt und arbeitet. Seit zwei Jahren erforscht sie die neuesten 3D-Techniken. Von 2009 bis 2013 schloss Sieber ihr Studium an der Berliner Akademie für Malerei mit einem Master ab und wurde zur Meisterschülerin ernannt. Ihre Werke wurden von Galerien auf internationalen Kunstmessen wie der Art Karlsruhe, Kunst Zürich, Art Beijing und Miami River Art ausgestellt. In den Jahren 2021 und 2022/2023 erhielt sie Stipendien der Freien und Hansestadt Hamburg und der Europäischen Union, um zu lernen, wie sie ihre künstlerischen Erkundungen durch die Schaffung neuer Formen des digitalen Ausdrucks erweitern kann. Wie sind Sie zur Kunst gekommen?
Neben meinem frühkindlichen Zeichentalent prägte mich die Tatsache, dass meine Schule direkt gegenüber einer renommierten Kunstuniversität lag. Die öffentlichen Führungen dort rochen förmlich nach Freiheit, und ich war fasziniert von den alternativen Weltanschauungen. Das war Anfang der 1980er Jahre, und als 18-Jährige war ich von der dort ausgestellten Konzeptkunst und den Neuen Wilden Malern zugleich verwirrt und fasziniert. All das nährte meinen Wunsch, selbst Künstlerin zu werden und so frei und grenzenlos zu sein wie sie.
Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben? Was macht Ihre Arbeit besonders?
Als abstrakter Maler übertrage ich Literatur und Schrift meist gestisch-expressiv auf Papier, das sich durch die heftige Bearbeitung unter meinen Händen oft zu Reliefs verformt.
Bei meinen digitalen Produktionen sind es die Fehler, Löcher und die seltsamen und schönen Formen „auf der Rückseite“ der gescannten Objekte, die meine Neugier unendlich wecken. Sie sehen oft aus wie Fragmente seltsamer Flugobjekte, die im 3D-Modus erfasst wurden. Wie gehen Sie bei der Entwicklung Ihrer Arbeit vor?
Der erste Schritt ist die Suche nach einem geeigneten Medium, das ein inspirierendes Thema enthält, das ich in meine Kunst integrieren kann. Dann wird mein performender Körper zum Medium. Hände und Bewegungen formen Schreiblinien. Was ich mit verschiedenen flüssigen Medien niederschreibe, verdichte ich zu komplexen, meist unleserlichen Linienstrukturen, die die präsentierte Botschaft materialisieren. Unter diesen übereinanderliegenden farbigen Notizen bleiben die in Gel eingeschlossenen Texte sichtbar, sind teilweise lesbar und bilden einen rechteckigen und linearen Kontrapunkt.
Auch bei der digitalen Arbeit wedele ich mit den Armen weit herum und reduziere die Bewegung dann auf meine Finger. Da ich hier noch ganz am Anfang stehe, genieße ich die völlige Freiheit, tun und lassen zu können, was ich will, und ganz spontan die Welten hinter den realen Objekten einzufangen und herauszukitzeln. Wer oder was beeinflusst Sie?
Als langjähriger Buchmacher fasziniert mich sowohl die Materialität der Sprache als auch das Gestische beim Schreiben und Malen ohne Pinsel auf dem Untergrund, so dass mich die gemalte Schrift von Cy Twombly und der einzigartige DDR-Lautpoet Carlfriedrich Claus inspirierte.
Was die digitale Welt betrifft, ist mein Ansatz eher von einer Anti-Haltung gegenüber dem Drang geprägt, die Welt in der Virtualität hyperrealistisch nachzubilden. Auf der Suche nach abstrakten Formen zeige ich wohl einen gewissen Pioniergeist.
Machen Sie uns neugierig. Was planen Sie als nächstes?
Tatsächlich bereite ich gerade eine Ausstellung für die Tage der offenen Tür unseres gemeinsamen Ateliers in der Hamburger HafenCity vor, bei der ich meine digitalen Arbeiten sowohl in verschiedenen Drucken und Rahmen an der Wand als auch als riesige virtuelle begehbare Objekte auf dem Boden zeigen werde. Erfahren Sie mehr über den Künstler: