Stefanie Adis (geb. 1988, Deutschland) studierte Kunstpädagogik und Kulturjournalismus an der Universität der Künste in Berlin und hatte Ausstellungen in Europa (u.a. im Wilhelm-Hack-Museum mit Christian Jankowski und Joseph Beuys). Nach ihrer Tätigkeit als freie Journalistin für die Süddeutsche Zeitung und das Kunstmagazin MONOPOL wusste sie, dass sie nicht mehr nur über ihre Leidenschaft schreiben, sondern ihr wieder nachgehen wollte. Adis lebt und arbeitet in Gießen. Erzählen Sie uns Ihre Geschichte. Warum sind Sie Künstler geworden?
Ich bin in einem kleinen Dorf in Hessen aufgewachsen, 150 Einwohner, ein Bus, der einmal täglich in die nächste Kleinstadt fuhr, eine Kneipe und ein Friseur – das war alles. Malen, Zeichnen, kreativ sein hat mich immer wieder an andere Orte geführt, an Orte, an denen ich wachsen und von denen ich lernen kann. Und sie helfen mir, zu mir selbst zurückzufinden. Ich brauche die Kunst, um zu kommunizieren. Sie ist meine Sprache.
Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein neues Werk schaffen? Was kommt zuerst?
Ich beginne mit einer Idee, einer Vorstellung von Material, Farbe, Haptik und Gefühl. Dann gieße ich flüssige Farbe auf Tafeln oder Leinwände und arbeite mit Beton und Pigmenten. Das Wechselspiel zwischen Zufall und Absicht ist immer präsent; die flüssige Farbe lässt sich nicht kontrollieren; sie trocknet, wie es ihr gefällt. Das ist meiner Meinung nach das Schönste an der abstrakten Kunst: die Kontrolle aufzugeben, sich dem Prozess hinzugeben und auf das zu reagieren, was entsteht. Was können Sie uns über Ihr Studio erzählen, was macht es für Sie besonders und wie beeinflusst es Ihre Arbeitsweise?
Nach der Geburt meines Sohnes wurde es immer mehr zu meinem Rückzugsort, an dem ich durchatmen kann. Manchmal sind es nur 45 Minuten am Tag, die mir Energie für die ganze Woche geben. Mein Atelier befindet sich im Haus meiner Familie. Als freischaffende Künstlerin und Mutter eines kleinen Kindes ist das ein großes Privileg, für das ich sehr dankbar bin. Gibt es in Ihrem Leben ein Kunstwerk, das Sie besonders beeindruckt hat?
Es wird Sie nicht überraschen: Yves Klein, „Relief éponge bleu“, 1960. Ich habe es im Frankfurter Städel oft besucht, und nie habe ich länger vor einem Werk gestanden. Nicht nur das von Klein patentierte Ultramarinblau prägt mich. Auch die Verwendung der Materialien, Alltagsgegenstände wie Schwämme und Kieselsteine, die wie extrem vergrößerte Pigmente wirken, ist faszinierend und clever.
Greifen Sie nach den Sternen: Wo werden Sie in 5 Jahren sein?
Ich stelle in Galerien in ganz Europa und weltweit aus, in Einzel- und Gruppenausstellungen – und mit meinem Sohn auf dem Boden in meinem Atelier, der mit verschmierten Händen ein Bild malt. Erfahren Sie mehr über den Künstler: